Montag, 21. Juli 2008

Bernstein: Die Putzmacherin

Die Putzmacherin
4.4.2008

Eine schlanke und hübsche junge Frau steht auf der Treppe des alten Rathauses von Eckernförde und lässt sich fotografieren. Auffallend ist der elegante und extravagante Hut, der die Blicke der vorbeieilenden auf sich zieht. 2 4 Jahre ist Sara Mari Meiburg-Aaholm jung. Sie wurde in Norwegen geboren und lebte bis zum Jahr 2000 in Norwegen und Südafrika. Dann zog sie zu ihrer Mutter nach Eckernförde und besuchte die Waldorfschule. Da sie sich noch nicht wirklich in der deutschen Sprache heimisch fühlte machte sie in der 12 Klasse den Hauptschulabschluss. Ein freiwilliges soziales Jahr in einem Eckernförder Altenheim halfen ihr über die letzten Sprachhürden. Die Berufswahl fiel ihr sichtbar schwer. „Meine Interessen galten Handwerklichen Berufen, aber welches Handwerk und wie an einen Ausbildungsplatz kommen?“ berichtet Sara im Gespräch. Ausbildungsplätze zur Schusterin gab es keine, sie ging vorübergehend nach Dänemark an eine Sporthochschule. Eine Freundin erzählte von einer Firma in Kiel die einen Ausbildungsplatz als Modistin anbot. Sara nahm sofort Kontakt auf und arbeitet zwei Tage zur Probe. Sie bekam den ersehnten Ausbildungsplatz. Drei Jahre Ausbildung zur Modistin? Was ist das eigentlich für ein Beruf?Modistin – ist ein zusammengelegter Beruf. Früher gab es Putzmacherinnen und Hutmacherinnen, die sich mit der Verschönerung der Kleidung der eleganten Damenwelt beschäftigten. Während die Putzmacherin die Kleider der Schneider durch raffinierte Details verfeinerte, sorgte die Hutmacherin für eigenwillige und auf die Persönlichkeit der Trägerin abgestimmte Kopfbedeckungen. Heute ist aus den beiden Berufen die Modistin entstanden, deren Schwerpunkt aber bei der Herstellung individueller Hüte liegt. Außer handwerklichem Können, Einfühlungsvermögen in die Kundinnen und einem erlesenen Geschmack ist auch noch künstlerischer Sachverstand vonnöten, damit die elegante Dame von Welt sich in ihrer Garderobe sicher fühlt und den gewünschten Auftritt sicher und stolz bestehen kann.Während Hutmacher ein eher Männer dominierter Beruf war und ist, sind Putzmacherinnen und Modistinnen meist weiblich. Inzwischen gibt es nur wenige Gestalterinnen in diesen Fächern. Oder wie Sara es ausdrückt: „Mit der Dauerwelle ist der Hut fast ausgestorben.“ Aber die großen Feste des Lebens werden auch heute noch oft von Modistinnen mitgestaltet. Bei Hochzeiten, Trauerfeiern und besonderen Anlässen lassen sich die Damen gerne beraten und „aufputzen“. „Es gibt immer noch Menschen die auf besondere Qualität wert legen“ weiß Sara, die in ihrer Ausbildung lernte die Kundenwünsche zu verstehen und in eigene Kreationen umzusetzen. Sie lernte die Grundlagen kennen, wie Filze, Stroh und genähte Kopfbedeckungen und auch die Haare aufregend zu stecken. Wichtig war auch, dass sie bereits in der Schule zeichnen gelernt hatte. Schließlich sollten die Kunden ja vor der aufwendigen Herstellung des neuen Kleidungsstückes bereits eine Ahnung von dem zukünftigen Aussehen bekommen. Vor ihrem Abschluss war ihr schon etwas bange, aber mit großer Bravour meisterte sie diese Hürde. Sie wurde mit ihren Selbstentworfenen Modellhüten Landessiegerin und auch auf Bundesebene konnte sie den zweiten Platz erobern. Reichlich belohnt wurde ihr kreatives Engagement mit Urkunde, Silberteller, Geld und einem Stipendium für einen möglichen Meisterkurs. Aber soweit ist die Preisträgerin noch nicht. Erst einmal ging es zum Wandern nach Kanada – schon von klein auf ist Sara in vielen Ländern und Sprachen zu Hause. Folgerichtig nahm sie deshalb auch einen Auftrag in Marokko an. Zwei Monate half sie einer Frau ein Geschäft mit modischer Kopfbedeckung für muslimische Frauen aufzubauen. Inzwischen hat sie einige Bewerbungen geschrieben und es zieht sie durchaus in die Ferne. Entweder in Oslo / Norwegen am Theater oder in Kanada an der Oper möchte sie weitere Techniken lernen und ihre kreativen Fähigkeiten einsetzen. Norwegisch, Englisch und Deutsch sind die Sprachen die sie fließend spricht. Für die junge Frau, die sich neben ihren beruflichen Schwerpunkten gerne bei Volleyball und Wandern erholt und Kunst und Ästhetik als Interessenschwerpunkte angibt, war die Waldorfschule der ideale Startpunkt in das Berufsleben. „Meine Mutter wollte gerne, dass ich den Realschulabschluss mache, aber ich fühlte mich in der deutschen Sprache noch nicht so heimisch“ erzählt sie, „mir hätte ein einfacher Waldorfabschluss auch gereicht. Meine handwerklichen Fähigkeiten, die ich in meiner Schule vertiefen konnte, sind schon früh erwacht, meine intellektuellen Fähigkeiten kamen wesentlich später.“ Beides wird ihr sicher zu Gute kommen, wenn sie in einigen Jahren den Gutschein nutzt und einen Meisterkurs belegt. Vielleicht werden auch einige Leser des Bernsteins ihre großen Feste mit einer Kreation von Sara Mari Meiburg-Aaholm feiern?



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Dienstag, 15. Juli 2008

Grosse Kunst auf kleiner Bühne

Grosse Kleinkunst auf kleiner Bühne

Figurentheather Eröffnung - Portraits

Am vergangenen Wochenende stellte sich das „Figurentheater im Kabuff“ der Öffentlichkeit vor. Geladene Gäste aus der Kulturszene sowie viele Kinder feierten gemeinsam mit der Puppenspielerin Cordula Thonett und einem bunten Programm die Gründung des Puppentheaters und –Atelier in der Rendsburger Strasse 100.
Cordula Thonett ist in Eckernförde schon während der Kreistheatertage und des Piratenspektakels als Figurenspielerin und Puppenbauerin in Erscheinung getreten. Auch ihre Bemühungen den Karneval aus ihrer Heimat Köln in Eckerförde heimisch zu machen fanden viel positive Resonanz.
Mit einem witzigen und bunten Programm weihte sie nun ihre neue Wirkungsstätte ein. Am Nachmittag bauten zahlreiche Kinder Stabpuppen aus Kochlöffeln und konnten unter professioneller Anleitung gleich damit improvisierte Stücke aufführen. Gegen 18 Uhr begrüßte Eckernfördes Kulturbeauftragter Sven Wlassack die zahlreichen Gäste, die sich dicht gedrängt in den intimen Zuschauerraum versammelt hatten. Öfters unterbrochen von dem Manager des Theaters, Mr. Mereuro. Der Manager, eine der neuen Kreationen der umtriebigen Cordula Thonett, hatte seinen ersten Auftritt und wirkte noch etwas nervös. Kein Wunder, ist er doch das jüngste Kind in der zahlreichen Puppenfamilie der neu geschaffenen Experimentierbühne. Wlassack würdigte Cordula Thonetts künstlerischen Lebenslauf mit Stationen in Irland, Portugal und Köln. Als Schöpferin kreativer Figuren war sie im rheinischen eine gefragte Puppenbauerin und hat und anderem für das Fernsehen die Figuren von "Berni und Ert" erstellt. Ihre erste Wirkungsstätte in Köln war eine Abstellkammer – für Zuschauer und Akteure gab es insgesamt 12m2 Aktionsflächen. Jetzt hat sie in der Rendsburgerstraße nach einem halben Jahr Umbauzeit eine Probenbühne mit ca. 50m2, in der 30-50 Zuschauer unterkommen können.
Zur Eröffnung stellten sich einige Puppen vor. Beeindruckend war der zweiköpfige Drache. Jakopp und Neinkopp liegen ständig im Streit miteinander und können doch nur gemeinsam agieren. Die als ältere Dame mit sehr losem Mundwerk und viel überschäumender Lebensfreude bereits bekannte Clara Korn zeigte ihre gesanglichen Qualitäten, nachdem sie ihre Puppenführerin hinter den Vorhang verbannt hatte und Ersie Das eröffnete sein „Scheinamt“ und verteilte Narrenscheine. Musikalisch hatten begabte junge Künstler beeindruckende Leistungen zur Eröffnung zu präsentieren. Mila Thonett (13) debütierte als Gesangssolistin, und Ruben Beier zeigte mit Bodyperkussion, das Klangerlebniss und Tanz zu einer perfekten und gekonnten Synthese zusammen kommen können. Dominik Kessener und Benjamin Schulte, als Duo Caldera beeindruckend mit eigenen und übernommenen Liedern. Ihre Musik, die von mitreißender Spielfreude und hohem künstlerischen Vermögen zeugte begeisterte das Publikum sichtlich. Dieses wurde allerdings auch hin und wieder deutlich verunsichert, da Gabriele Pahms vollkommen mit ihrer Rolle als Journalistin Frau Pams verwachsen, zeigte, dass der lokalen Presse eigentlich die volle Aufmerksamkeit einer Veranstaltung gebühre. In jeder kleinen Umbaupause wurde das Publikum mit Interviews und Fotoaufstellen beschäftigt.
Cordula Thonett wird in ihrer neuen Wirkungsstätte nicht nur ihr bewährtes Suchtstück präsentieren sonder auch allein und mit Interessierten Puppen bauen. Neue Stücke, die sie gerne auch über schwierige Themen entwickeln sollen hier Premiere feiern und sie überlegt eine kleine Spielergruppe aufzubauen und Kooperationen mit sozialen und kirchlichen Einrichtungen anzustreben. Weiterhin steht sie aber auch für Auftritte bei Kindergeburtstagen und Aktionen bei den Poratentagen außer Haus zu Verfügung. (fst)
Kontakt: Ciordula Thonett, Figurentheater im Kabuff, Rendsburgerstr. 100, Tel. 88 37 72, www.narrenschein.de










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Dienstag, 8. Juli 2008

Sinnflut

„Sinnflut“ auf dem Rathausmarkt


Für zufällige Passanten war am Sonnabend das Bild auf dem Rathausmarkt sehr überraschend: Um eine Bühne auf der verschiedene „Psychedelische Bands“ spielten gruppierten sich bunte Scharen von meist jugendlichen Besuchern. Ein normales Konzert konnte dies wohl kaum sein, denn selbst die Bühne zeigte eher Wohnzimmercharakter mit Zierpflanzen und bunten Transparenten, ohne jede werbende Aussage. Dafür war im Publikumsbereich ein „Outdoor Wohnzimmer“ aufgebaut, auf verschiedenen Sofas und Sesseln konnte entspannt den Klängen der drei Bands gelauscht werden und in den Umbaupausen fanden angeregte Gespräche zwischen jung und alt statt. Stände vom grünen Haus und Amarylis mit Mineralien boten ein bescheidenes Angebot mit alternativen Waren an, und nur ein Bierverkaufstand sorgte für Erquickung zu ungewöhnlich zivilen Preisen. Das Rätsel der Veranstaltung wurde auf bunten Plakaten gelöst: Unter dem Titel „Sinnflut“ hat ein sich neu gründender Verein von jüngeren Menschen ein erstes Fest in der Innenstadt organisiert. „Wir wollten eine Mischung aus Konzert und Straßenfest machen“ erzählt einer der Organisatoren. Bereits seit dem Herbst 2007 versuchten die jungen Menschen, die durchgängig unter 25 Jahre alt sind, eine Kulturveranstaltung in Eckernförde für Ihresgleichen zu organisieren. Vielfältig und scheinbar unüberwindlich schienen die bürokratischen Hürden. Die Idee, auf einer Demonstration den fehlenden Freiraum für Jugendkultur in unserer Stadt zu beklagen, ließen sie schnell wieder fallen: „Wir wollten uns nicht negativ abgrenzen, sondern zeigen, dass wir mit viel Phantasie und guten Ideen eigenes auf die Beine stellen können. „ erzählt Finn Mayeres. Also suchten sie weiter das Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt. Mit dem Kulturbeauftragten und dem Bürgermeister fanden sie Mitstreiter, die grundsätzlich ein offenes Ohr auch für Jugendbelange haben. „Wir wollten den Jugendlichen eine Gelegenheit geben, auch mal ihre eigenen Vorstellungen zu realisieren“ formuliert es Sven Wlassack.

So wurde aus dem geplanten größeren Festival erstmal ein Straßenfest mit Konzert. Auch für das leibliche Wohl wurde durch einen jungen Koch gesorgt, Kinder jeglichen Alters konnten sich schminken lassen und die vielen Ordner suchten vergeblich nach Problemen. Die Organisatoren zeigten deutliches Interesse die Auflagen pünktlich einzuhalten. Punkt zehn bedankten sie sich beim Publikum dass das frühe Ende geduldig hinnahm und unmittelbar nach Ende des Programms bereits mit dem Einsammeln vom Müll begann. Natürlich zeigten auch einige Anwohner Unmut, fanden, die Musik zu laut und sicherlich auch zu fremd. Es bleibt so die Frage offen, ob Eckernförde groß und offen genug ist, auch zukünftig Veranstaltungen jenseits von Mainstream und Kommerz zu ermöglichen. Für die jugendlichen Organisatoren, die anschließend sichtbar geschafft aber auch ein bisschen stolz wirkten, keine Frage: „Wir haben noch viele phantasievolle Ideen für Veranstaltungen in unserer Stadt, für Jugendliche und den Dialog Jung und Älter“ (fst)

BU:
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Tanz und „Headbanging“ vor der Bühne

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dito

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Montag, 7. Juli 2008

Waldorfschule 12 Klasse: Theaterstück Liliom

Liliom – Theater in der Waldorfschule



Am Mittwoch, Freitag und Sonnabend jeweils um 20 Uhr spielt die 12. Klasse der Waldorfschule das Theaterstück „Liliom“ von dem ungarischen Dramatiker Ferenc Molnár. Traditionell zum Ende der gemeinsamen Schulzeit üben die Waldorfschüler ein so genanntes Klassenspiel gemeinsam ein. Die Wahl der Klasse fiel auf ein Werk das eine sehr wechselvolle Aufführungsgeschichte hinter sich hat. Die Geschichte des leichtlebigen Lilion, der als Ausrufer eine Karussells in einem Vergnügungspark arbeitet und ein Verhältnis mit seiner Chefin hat, war bei seiner Uraufführung 1909 kein großer Erfolg. Auch die deutsche Erstaufführung 1912 in Berlin nach der Übersetzung von Alfred Polgar blieb erfolglos. Erst als das Werk von Polgar den österreichischen „Prater-Verhältnissen“ angepasst wurde und es 1913 in Wien Premiere feierte, wurde es zu einem weltweiten Erfolg und wurde in der Folge von Berlin über Amsterdam und von London bis New York gespielt. Der italienische Opernkomponist Giacomo Puccini bemühte sich darum aus dem Theaterstück eine Oper machen zu können, bekam aber eine Absage von Molnár. Inzwischen ist die Geschichte von dem Draufgänger Liliom, der aus Liebe zu seiner Frau einen Raubmord plant und sich der Verhaftung auf eine sehr eigenwillige Weise entzieht mehrfach verfilmt worden und feierte auch als Musical „Carousel“ Erfolge.

Die Schüler haben den Inhalt, der sich um den Umgang mit Gefühlen und einer ungewohnten Behandlung von Gut und Böse dreht, behutsam genähert. In sehr sicherer Handhabung der künstlerischen Qualitäten lassen weder die großen moralischen Fragen, noch den feinen, manchmal auch fast grotesken Humor platt werden, sondern halten Urteile zurück und binden so den Zuschauer als urteilende Instanz lebendig in das Geschehen ein. Durch diese Inszenierung bekommt Molnárs Werk aus vergangenen Zeiten einen ständigen aktuellen Bezug, die seelischen Qualitäten der teilweise großen Lebensfragen sind deutlich, aber niemals abschließend herausgearbeitet. Dem interessierten Publikum sei empfohlen zwei aufeinanderfolgende Vorstellungen zu besuchen, da die umfangreicheren Rollen alle doppelt besetzt wurden und so unterschiedliche Feinheiten aufweisen. Bei beiden Besetzungen begeistern der freie Umgang mit den Sinnfragen und der Verzicht auf platte und wirkungsvolle Elemente zu Gunsten der Entscheidungskompetenz der Zuschauenden. (fst)


BU:

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Raubüberfall an den Bahngleisen mit unerwartetem Ausgang

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Der schwerverletzte Liliom liegt auf der Bahre.

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Groteske Szene bei der „himmlischen Polizei“

Probenfotos!








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